· 

Goethe: Phänomen


Wenn zu der Regenwand
Phöbus sich gattet,
Gleich steht ein Bogenrand
Farbig beschattet.
 
 
Im Nebel gleichen Kreis
Seh ich gezogen,
Zwar ist der Bogen weiß,
Doch Himmelsbogen.
 
 
So sollst du, muntrer Greis,
10 
Dich nicht betrüben,
11 
Sind gleich die Haare weiß,
12 
Doch wirst du lieben.

Das Bild des Regenbogens, das Johann Wolfgang von Goethe in seinen Gedicht „Phänomen“ verwendet, hat eine lange Tradition. Es ist im Buch Genesis (Kapitel 9, Vers 12-17) ein Zeichen des Bundes, den Gott mit den Menschen schloss, damit niemals wieder eine Sintflut entsteht, wie jene, die einst fast alles Leben auf der Erde vernichtet hatte. 

Bei den Griechen ist der Regenbogen der Bote der Götter (Ilias 23,198 ff.). Er tritt als Vermittler zwischen Menschen und Göttern auf. Im Laufe der Zeit wandelt er sich zu einem lieblichen Mädchen, der jungfräulichen Göttin Iris. 

In Goethes Haus in Weimar, am Frauenplan, ist die Göttin Iris an der Decke im oberen Treppenflur zusammen mit einem Regenbogen dargestellt. Als sogenanntes Deckenauge beherrscht dieses Gemälde den oberen Teil des Flurs. 

 

PS: Das Foto entstand heute, am Freitag vor Pfingsten, beim Blick auf das regnerische Hamburg.


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Heinrich Krekeler (Freitag, 21 Mai 2021 15:09)

    Ein schöner Kommentar anlässlich der Wiedereröffnung von Elbphilharmonie und Plaza.