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Die Akustik im Großen Saal - Die "Weiße Haut"

Elbphilharmonie-Führung & Hafenrundfahrt 24, Großer Saal, Weiße Haut 1

 

Grundsätzlich ist in einem Konzertsaal jeder Winkel und jede Kante ein Problem, weil sich der Schall zunächst dort bricht und von dort dann im Raum unkalkulierbar verteilt. Für den Großen Saal wurde deshalb eine besondere Innenverkleidung, die „Weiße Haut“, entwickelt, um die Streuung des Schalls bestmöglich steuern zu können.

Dieser Prozess, auch parametrisches Design genannt, vermeidet vor allem, dass die Schallwellen direkt reflektiert werden. Der Schall trifft auf unterschiedlich gewinkelte Flächen und Strukturen und wird von diesen Auftrittspunkten diffus in jeweils andere Richtungen im Saal verteilt.

Jede der dafür benötigten 10.287 Gipsfaserplatten mit einer Gesamtfläche von ca. 6000 Quadratmetern ist ein Unikat, wurde für ihren speziellen Platz an Wand und Decke digital entworfen, mit speziellen Winkeln, Wölbungen, Zellen, Löchern und Furchen versehen, insgesamt mehr als einer Million.

Deren Struktur wurde dafür über einen Computeralgorithmus, für den 352 Millionen Zeilen Programmtext geschrieben werden mussten, solange variiert, bis das bestmögliche Endergebnis erzielt werden konnte, in diesem Fall eine möglichst ausgewogene Akustik.  

Für die Ausführung der Strukturen in einer Tiefe zwischen 5 und 90 Millimetern mit einem Fräsweg von insgesamt 1,5 Millionen Laufmetern wurden mehr als 1.000 diamantbesetzte Fräsköpfe verbraucht.

Aber auch das Ausgangsmaterial selbst, eigentlich eine Art Gipsfaserbeton, ist ein besonderes Material. Es verfügt über eine Dichte von 1.500 kg/ qm und ist damit äußerst massiv und zudem, was für einen Konzertsaal mit vielen Besuchern wichtig ist, nicht brennbar.

Für jede montierte Platte der Wandverkleidung wurden wiederum bis zu fünf Rohplatten mit unterschiedlichen Maßen und  Stärken verleimt, um die durchschnittliche Plattenstärke von etwa 180 Millimetern, einer Daumenstärke, zu erzielen. 

Schlussendlich wurde jedes Bauteil der Wandverkleidung, der Saaldecke und des Reflektors in echter Handarbeit noch einmal einzeln nachbearbeitet und auf der Vorderseite zusätzlich mit klarem Schutzlack überzogen. 

Erdacht hat die "Weiße Haut" Yasuhisa Toyota, vielleicht der Weltstar unter den Akustik-Designern.

Berechnet wurden die Strukturen der "Weißen Haut" von Benjamin Samuel Koren, einem jungen Informatiker und Musiker. Hergestellt hat sie die Firma Hasenkopf Industrie Manufaktur mit Sitz in Mehring/ Bayern.

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